Voraussetzung für eine gelungene Digitalisierung von Bauprojekten - Download

März 2018

Die Berufsvertretungen der Deutschen und Österreichischen ArchitektInnen und ZivilingenieurInnen verabschiedeten im März 2018 diese gemeinsame Erklärung zum Thema BIM:

 

Gemeinsame Erklärung der 

deutschen Bundesarchitektenkammer (BAK), 

der deutschen Bundesingenieurkammer (BIngK) und  

der österreichischen Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen 

Mit der Methode des Building Information Modeling (BIM) werden 3D-Modelle eines Bauwerks erstellt und mit zusätzlichen Informationen verbunden. Die Umsetzung der BIM-Methodik kann dabei nur dann erfolgreich sein, wenn die qualitätssichernden Planungsstrukturen und rechtlichen Rahmenbedingungen für das Planungswesen in ihren Zielsetzungen trotz notwendiger Anpassungen erhalten werden können.  

 

1. Die BIM-Methodik kann gezielt eingesetzt werden, um die Tätigkeit der bestehenden Planungsstrukturen im Prozess und im Ergebnis effizienter zu gestalten. Versuche, unter dem Vorwand der neuen Planungsmethode Strukturänderungen in Richtung Generalunternehmerstruktur (z.B. durch ISO 19650-2) voranzutreiben, sind hingegen entschieden abzuwehren. Die Aufgabenteilung zwischen Planenden und Bauausführenden muss auch bei Anwendung der BIM-Methodik im deutschsprachigen Raum beibehalten werden, damit Planende ihre Auftraggeber weiterhin unabhängig von Liefer- und Ausführungsinteressen im Sinne der bestmöglichen Lösung beraten können.

 

2. Die Planung erfordert neben Fachwissen und Kreativität auch hohe Koordinierungskompetenz. Die Anwendung der BIM-Methodik stärkt die Rolle der Planenden im Bereich der Kooperation und Koordination weit über die reine Erstellung von Einzelplanungen hinaus. Die Verschiebung von Koordinationsfunktionen aus der Planung in andere Bereiche gefährdet die Qualität eines Projektes und relativiert damit die möglichen Vorteile der BIM-Anwendung. 

 

3. Die KMU-Struktur im deutschsprachigen Raum hat sich gerade in der Wirtschaftskrise der Jahre 2007 ff ausgezeichnet bewährt. Der Planungssektor ist eine sehr kleinteilige Branche, Planende und Ausführende arbeiten in agilen projektbedingten Konstellationen zusammen. Aufgrund dieser Marktstruktur ist eine offene Software-Konstellation („Open BIM“) die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz von BIM. Ohne Sicherstellung eines nicht diskriminierenden und allgemeinen Zugangs zur elektronischen Planungssoftware über offene, normierte Schnittstellen, die die erzeugten Daten verlustfrei übergeben können, würde ein gut funktionierender Markt nachhaltig zerstört. Aufgrund von unverhältnismäßigen Kosten und Komplexitäten würden im Falle von „Closed BIM“-Systemen viele kleine und Mikroplanungsbüros vom Markt gedrängt oder in Nischenbereiche abgeschoben werden. Auch der öffentliche Auftraggeber liefe in die Gefahr der überproportionalen Abhängigkeiten von Softwareanbietern, wenn die gespeicherten Informationen nicht über eine offene und normierte Schnittstelle beliebig übertragbar sind.

Zusammenfassend lauten daher die wichtigsten gemeinsamen Forderungen an die Politik und öffentliche AuftraggeberInnen:

 

Beibehaltung der Trennung von Planung und Ausführung sowie der im deutschsprachigen Raum bewährten Planungsstrukturen 

Stärkung der Koordinierungsfunktion von Planenden als Systemführer im BIM-Prozess

Sicherstellung der Aufrechterhaltung der KMU-Strukturen im Planungs-bereich durch einen „Open BIM“-Ansatz mit normierten, offenen Schnittstellen, die die gespeicherten Informationen vollständig übertragen können. Schaffung eines europäisch-einheitlichen Validierungsprozederes, mit dem die diesbezügliche Eignung von BIM-Software festgestellt werden kann.


D-A-CH Treffen zum Thema BIM

v.l.n.r.: Martin Müller, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer (DE), Christian Aulinger, Präsident der Bundeskammer der ZT (AT), Martin Falenski, Geschäftsführer der Bundesingenieurkammer (DE)
Guiseppe Martino, Leiter Fachbereich Normen beim Schweizer Ingenieur- und Architektenverein (CH)
Martin Falenski, Geschäftsführer der Bundesingenieurkammer (DE)
Martin Müller, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer (DE)

Die Schwesternkammern für Architekten und Ingenieurkonsulenten in Deutschland und der Schweiz kamen zu einem informellen Austausch über gemeinsame Anliegen zum Thema BIM nach Wien.

Martin Müller, Vizepräsident der deutschen Bundesarchitektenkammer (BAK), Martin Falenski, Geschäftsführer der deutschen Bundesingenieurkammer (BIngK) und Guiseppe Martino, Normenleiter im Schweizer Ingenieur- und Architektenverein (SIA) berichteten über die Aktivitäten und Strategien, mit denen ihre Berufsvertretungen sich auf technischer und politischer Ebene in den Diskussionsprozess zum Thema BIM einbringen.

In der Schweiz gilt seit Ende 2017 das Merkblatt SIA 2051 Grundlagen zur Anwendung der BIM-Methode und eine Zusatzvereinbarung BIM zum SIA Planervertrag um den AnwenderInnen eine Unterstützung zu bieten. Die deutschen Kammern setzen sehr auf Schulungsmaßnahmen – Ende 2017 wurde ein einheitlicher Weiterbildungsstandard festgelegt. Ein weiterer Schwerpunkt ist aber die intensive Einbindung in alle politischen und normierenden Aktivitäten zum Thema BIM und die Kooperation mit anderen Interessensvertretern. BAK und BIngK treten dabei vielfach gemeinsam auf.

Inhaltlich besteht bei den D-A-CH TeilnehmerInnen Einigkeit, dass zu einer erfolgreichen Anwendung der BIM-Methode einige Voraussetzungen erfüllt sein müssen: Die Trennung von Planung und Ausführung ist das Grundprinzip der Planungsstruktur vor allem im deutschsprachigen Raum. Sie darf durch den Einsatz der BIM-Methodik nicht ausgehebelt werden. Ebenso muss klar sein, dass die Anwendung der BIM Methodik die Rolle der PlanerInnen nicht auf die von reinen Planungs-Lieferanten reduzieren darf und die Verschiebung von Koordinationsfunktionen aus der Planung in andere Bereiche die Qualität eines Projektes gefährdet.

Aufgrund der KMU-Struktur im Planungsbereich ist eine offene Software-Konstellation (Open BIM) die Grundvoraussetzung für das Gelingen der Anwendung von BIM-Methoden. Ohne Sicherstellung eines nicht diskriminierenden und allgemeinen Zugangs zur elektronischen Planungssoftware über offene, normierte Schnittstellen, die die erzeugten Informationen ohne Datenverlust übergeben können, würde ein gut funktionierender Markt nachhaltig zerstört und öffentliche Besteller liefen in die Gefahr der überproportionalen Abhängigkeit vom jeweiligen Lizenzgeber der Software.

Veranstaltungshinweis:

1. Symposium Digitalisierung: "Reality-Check BIM". Für Ziviltechniker(innen), öffentliche Auftraggeber(innen) und 100% unabhängig von der Softwareindustrie.

Datum und Uhrzeit: Dienstag, 20. März 2018, 10.00 bis 19.00 Uhr 

Ort: Ars Electronica Center, Ars-Electronica-Straße 1, 4040 Linz

Erstmals diskutieren Planende und öffentliche AuftraggeberInnen unabhängig von der Softwareindustrie über Praxistauglichkeit von BIM und die Anforderungen an diese Technologie. Ziel der Veranstaltung ist eine kritische, aber auch konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema BIM-Planungsinstrumente. Details zum Programm, zu den Keynotespeakern, Diskussionsrunden und zur Anmeldung finden Sie hier http://wien.arching.at/aktuelles/veranstaltungen/kammer_aktiv/1_unabhaengiges_symposium_digitalisierung.html