Fachtagung E-Government - Nachbericht

Der Nachholbedarf Österreichs in Sachen Digitalisierung wurde während der Corona-Pandemie einmal mehr deutlich. Gerade Projekte im Baubereich liefen zur Zeit der Krise holpriger.

Im Rahmen unserer Blitzumfrage unter Mitgliedern im April dieses Jahres haben diese angegeben, dass es in der Zusammenarbeit mit Gemeinden und Behörden zu längeren Bearbeitungsdauern, zu Projektbehinderungen - z.B. durch Verzögerung bei Bescheiderstellungen, Verhandlungen, Projektbearbeitungen oder Gutachten durch Amtssachverständigen - kam. Klar ist: Kontaktlose Kommunikation, die aber dennoch Rechtssicherheit bieten muss, ist wichtiger denn je.

Im Zuge des gelungenen, gemeinsam mit dem Bundesland Kärnten entwickelten Pilotprojekts zt:eGov, das die Anlieferung von passgenauen Datenpaketen direkt in den „Elektronischen Akt“ (ELAK) der jeweiligen Behörde ermöglicht, lud die Bundeskammer zu einem E-Government-Webinar für interessierte BehördenvertreterInnen und FunktionärInnen.

Bundeskammerpräsident Kolbe eröffnete das Webinar mit dem Hinweis, dass die Krisenereignisse dem Thema Digitalisierung einen Schub geben: „Wir ZiviltechnikerInnen gestalten seit jeher technologischen Wandel. Deshalb bildet unsere Digitalisierungsstrategie auch die Schaffung funktionstüchtiger E-Government-Zugänge für den Berufsstand über die föderalen Behördenebenen hinweg ab“.

DI Rudolf Köller, Leiter der IT des Landes Kärnten stellte die „zt:eGov-Anwendung Elektronische Beantragung“ vor. Diese wurde im Rahmen der E-Government-Kooperation des Bundes, der Länder, der Städte und Gemeinden (BLSG) als Projekt PDG-ZT entwickelt. Sie geht in diesen Tagen im Land Kärnten in Betrieb. Mittels „digitalem Tunnel“ ermöglicht sie es, direkt im ZT-Archiv Anträge (Grundstücksteilung im Forstverfahren) bei der zuständigen Behördenstelle einzubringen. Diese Anbindung und Ausrollung im Land Kärnten ist eine erste Etappe auf dem Weg zu einer bundesweiten Anbindung.

Mag. Hans-Werner Streicher, Projektleiter für die Digitalisierung des UVP-Verfahrens im Land Oberösterreich, schilderte die weitreichenden Dimensionen der digitalen Transformation im Public-Sector und stellte seinen Projektansatz detailliert vor. Er betonte: „Wer dem Anspruch gerecht werden will, Leistungen und Aufgaben unabhängig von Zeit und Ort digital nutzbar zu machen, ist gefordert, interne Prozesse und Services bei sich selbst und den Systempartnern anzupassen und zu adaptieren“. Dafür ist auch aus Sicht der Behörden eine von Respekt getragene wechselseitige Zusammenarbeit mit Anspruchsgruppen, wie den ZiviltechnikerInnen, unerlässlich. Denn: Digitale Transformation ziele darauf ab, wechselseitig Synergien zu heben.

DI Robert Benzinger
beleuchtete das Potenzial des ZT-Archivs: Dieses kann nun vom hochsicheren Datenspeicher zur berufsständischen E-Government-Anwendung weiterentwickelt werden, indem - aufbauend auf E-Government-Anbindungen - die ZiviltechnikerInnen bei ihrer Behördenverfahrensabwicklung mit zusätzlich zu schaffenden Funktionalitäten unterstützt werden. Anhand der Anwendungsfälle der IngenieurkonsulentInnen für Vermessungswesen wurden diese bereits entwickelt. Er appelliert an alle EntscheidungsträgerInnen, eine zeitnahe Realisierung zu ermöglichen.

Länderkammerpräsident Gerald Fuxjäger
, Vorsitzender des Ressorts Digitalisierung der Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen, betonte in seiner Zusammenfassung die ersten Erfolge. Die direkte Anbindung des ZT-Archivs mittels „digitalem Tunnel“ in Richtung ELAK sowie die Einbettung durch die „zt:eGov-Anwendung Elektronische Beantragung“ im österreichischen Behörden-Portalverbund machen Mut, die Bemühungen weiter zu forcieren.

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