Resumée der 100. Delegiertensitzung der BSIK

Im Rahmen einer weitreichenden Novelle des Ziviltechnikergesetzes 1993 ins Leben gerufen, blickt die Bundessektion Ingenieurkonsulenten (BSIK) bereits auf 100 Delegiertensitzungen zurück. Anlässlich dieses Jubiläums galt es im Rahmen einer Festsitzung die erfolgreiche Entwicklung der BSIK zu rekapitulieren und einen Ausblick auf die Zielsetzungen der kommenden Jahre zu geben. Durch die Festsitzung führte der Vorsitzende Baurat h.c. DI Klaus Thürriedl. In seinen Begrüßungsworten wies er auf die omnipräsente Relevanz technischer Planung für unsere gebaute Umwelt hin. Dennoch sei das Bewusstsein für die vielfältigen Handlungsfelder und die damit verbundene Verantwortung in einer breiten Öffentlichkeit zu gering.

Besonders im aktuellen politischen Wandel gelte es die Interessen der Mitglieder weiterhin kontinuierlich zu vertreten. So fordere das, durch die vorgezogenen Neuwahlen nicht mehr durch das Parlament beschlossene Ziviltechnikergesetz 2018, auch nach der Bildung einer neuen Regierung volle Aufmerksamkeit und sanften Nachdruck. Doch sind Interessen auf nationaler Ebene lange schon nicht mehr ohne einen breiteren Kontext zu denken. Entsprechend sei es ebenso wichtig die Arbeit der bestehenden Strukturen europäischer Ingenieure weiterzuverfolgen und zu intensivieren. Die österreichischen IngenieurkonsulentInnen spielten dabei als Teil des European Council of Engineers Chambers (ECEC) eine aktive Rolle. In diesem Rahmen gelte es die hohen Standards in Ausbildung und Profession der österreichischen IngenieurkonsulentInnen produktiv zu verteidigen und in die europäische Diskussion einzubringen.

Den Reigen der Grußworte eröffnete Nationalratsabgeordnete Mag. Ruth Becher. Als Obfrau des parlamentarischen Bautenausschusses von 2013-2017 lernte Ruth Becher die Bundeskammer als verlässliche Ansprechpartnerin kennen. Sie erinnerte sich an viele Situationen in denen sie in Fachfragen schnelle und kompetente Einschätzungen und Daten vom Generalsekretariat erhielt. Mit Blick auf die laufenden Koalitionsverhandlungen und in deren Rahmen gestellten Forderung nach der Aufhebung von Pflichtmitgliedschaften in Kammern, gab sie zu Bedenken, dass, sei es in der Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer oder eben in der ZT-Kammer, besonders die ökonomisch schwächsten Mitglieder am meisten von starken Kammerstrukturen profitieren. Denn nur wenige große Player versammeln inhouse das nötige know-how sowie Ressourcen um ihre eigenen Interessen eigenständig zu vertreten.

Ruth Becher erwähnte im Zuge ihrer Grußworte eine weitere beunruhigende Entwicklung. Aufgrund derzeitig niedriger Zinsen und günstiger Kredite greifen immer weniger Menschen beim Hausbau auf die staatlichen Wohnbauförderungen zurück. Damit einhergehende strengere Auflagen können so umgangen, wodurch Fachplaner seltener eingebunden werden. Diese Entwicklung sei aus technisch-ökologischer Sicht sowie mit Blick auf die Baukultur problematisch.

Ministerialrat Dr. Franz Einfalt schloss sich den Glückwünschen seiner Vorrednerin an und unterstrich ebenfalls die Relevanz des österreichischen Kammerwesens. Aus der Perspektive seiner langjährigen Tätigkeit im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (damaliger Wortlaut) wies er darauf hin, dass von Seiten des Ministeriums stets die Professionalität der ZT-Kammer geschätzt wurde. Denn einerseits sei eine starke Kammer zwar ein herausfordernder Gegenpart, andererseits sei es besonders wichtig einen verlässlichen Ansprechpartner anstelle fragmentierter Interessensvertretungen zu haben. So seien viele positive Kompromisse zustande gekommen und es hätte stets eine zielorientierte Arbeitsatmosphäre geherrscht. Über viele Jahre war MR Dr. Einfalt eine wichtige Schnittstelle zur Politik, wofür ihm die Kammer der ZiviltechnikerInnen im Rahmen der Kammervollversammlung 2016 die goldene Ehrennadel verlieh. Auch nach seiner Pensionierung werde er als Berater zur Verfügung stehen. Für die anstehende Arbeit zum ZTG 2018 wünschte er viel Erfolg und gab scherzhaft zu bedenken, dass die Götter zuweilen zur Strafe alle an sie gerichteten Wünsche erfüllten.

Die Annäherung zwischen dem Fachverband Ingenieurbüros und der Kammer der ZiviltechnikerInnen der letzten Jahre brachte die Grußbotschaft des Obmanns TR Ing. Friedrich Müller-Uri zum Ausdruck. Aus einer trennenden Konkurrenz sei ein konstruktiver Austausch erwachsen. Oftmals mit denselben Problemen konfrontiert, gelte es die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen. In diesem Sinne wünsche er in Vertretung aller IngenieurInnen den IngenieurkonsulentInnen weiterhin viel Erfolg.

Grußbotschaft Stadtbaudirektorin DI Jilka an die Bundessektion der IngenieurkonsulentInnen

Da Stadtbaudirektorin DI Brigitte Jilka, MBA der Festsitzung nicht persönlich beiwohnen konnte, übermittelte sie per Videobotschaft ihre Gratulation und besten Wünsche für die weitere Arbeit der BSIK. In ihrer Funktion als offizielle Vertreterin der Stadt Wien bei der Angelobung der ZiviltechnikerInnen beobachtete sie mit Interesse die Vielfalt der technischen Handlungsfelder bis hin zur Weltraumtechnik 

Abschließend gratulierte der Präsident der Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen Christian Aulinger den Delegierten der BSIK zur Jubiläumssitzung. Selbst Architekt, überbrachte er insbesondere auch Grüße von Seiten der ArchitektInnen und ging auf das Zusammenspiel dieser beiden Gruppen in der Praxis ein. So sollte stets das gemeinsame Werk im Vordergrund stehen, dessen Qualität sich immer an der Zusammenarbeit der beteiligten IngenieurkonsulentInnen und ArchitektInnen messen lasse. Bei allen Differenzen dürfe nicht vergessen werden, dass man einander brauche um Projekte bestmöglich zu meistern. Diese Dualität der Bundeskammer sei sowohl Herausforderung als auch Potenzial.

Als Aufgabe für die Zukunft sah auch Präsident Aulinger das öffentliche Bewusstsein für die Relevanz der Handlungsfelder der IngenieurkonsulentInnen zu erhöhen. Die Interessensvertretung am sensiblen Parkett der Politik zähle er aber nicht dazu, lassen sich manche Themen doch rationaler ohne den Fokus der Öffentlichkeit verhandeln.

DI Dr. Wolfram Walluschek-Wallfeld, ehemaliger Vorsitzender der BSIK, rief im Rahmen der Gesprächsrunde mit dem Vorsitzenden Thürriedl und dem Vizepräsidenten der Bundeskammer BR h.c. DI Rudolf Kolbe in Erinnerung, dass die BSIK aus einer Reform des Ziviltechnikergesetzes hervorging. War die Bundeskammer zuvor in drei Gruppen, Zivilingenieure, Ingenieurkonsulenten und Architekten getrennt, trug die neue Strukturierung dem Mitgliederverhältnis beziehungsweise der beruflichen Praxis Rechnung.

Vizepräsident Kolbe, ebenfalls ehemaliger Vorsitzender der BSIK, betonte, dass die Bundeskammer viele Verbesserungen des Berufsstands erkämpft habe, dass die Arbeit der Interessensvertretungen auf europäischer Ebene zunehmend intensiviert werden müsse. Auch hier gelte es konsequent und ausdauernd Ziele zu verfolgen, da Entscheidungen in den europäischen Institutionen, wie auch in Österreich, langwieriger Vorbereitungen bedürfen. Es bedürfe Geduld und Kontinuität. Die Vorstellung, einzelne erfolgreiche Gespräche führten sofort zu den gewünschten Resultaten, sei falsch. Vielmehr gelte es starke Netzwerke mit anderen nationalen Interessensvertretungen innerhalb der ECEC zu knüpfen und auch die anderen europäischen Ingenieurvereinigungen einzubinden, um einflussreiche Allianzen zu bilden.

ZT-Forschungspreis 2016

Zum feierlichen Abschluss der Festsitzung wurden die Preisträger des Forschungspreises 2016 ausgezeichnet. Der Forschungspreis der Bundessektion Ingenieurkonsulenten wird an DiplomandInnen für herausragende wissenschaftliche Arbeiten, die für ZiviltechnikerInnen besonders relevante Themenstellungen behandeln, verliehen. Die stolzen ForscherInnen erhalten je eine Unterstützung in der Höhe von 2.500,-€ und als sichtbare Anerkennung eine, platonischen Formen nachempfundene, Preisskulptur. Den jeweiligen Forschungsthemen entsprechend gratulierten Vertreter der Bundesfachgruppen den Preisträgern und ihren Professoren. Wie auch bereits im Vorjahr ist der interdisziplinäre Zugang vieler junger TechnikerInnen besonders beachtenswert. Mit ihrem offenen Blick über die Grenzen der Disziplinen hinweg, können sie auch erfahrenen TechnikerInnen bisher übersehene Möglichkeiten aufzeigen.

BFG Bauwesen – DI Andreas Brandner
TU Graz, Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft
Preisträger: Dipl.-Ing. Ernst Maurer
Betreuer: DDipl.-Ing. Bernhard Bauer

Titel der Masterarbeit:
„Bauen im Bestand und der Einfluss der Risiken auf die Kalkulation der Auftragnehmer“

BFG Informationstechnologie – DI Thomas Hrdinka
TU Wien, Institut für Softwaretechnik und interaktive Systeme
Preisträger: Dipl.-Ing. Dominik Deutsch
Betreuer: Univ.Prof. Dr. Dr. h.c. A Min Tjoa

Titel der Masterarbeit:
„Multi-objective optimization of energy networks“

BFG Vermessungswesen – DI Dietrich Kollenprat
TU Wien, Department für Geodäsie und Geoinformation
Preisträger: Dipl.-Ing. Robert Sonnleitner
Betreuer: Univ.Prof. Dr.-Ing. Hans-Berndt Neuner

Titel der Diplomarbeit:
„Der kombinierte Einfluss des Auftreffwinkels und der Rauheit auf reflektorlos gemessene Distanzen von 30 m“

BFG Vermessungswesen – DI Dietrich Kollenprat
TU Wien, Department für Geodäsie und Geoinformation, Forschungsgruppe Höhere Geodäsie
Preisträger: Dipl.-Ing. Stefan Schaufler
Betreuer: Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Robert Weber

Titel der Diplomarbeit:
„Preprocessing of IMU Observables and Multi-Sensor Kalman Filtering“

Rückblick anlässlich der 100. Sitzung der Bundessektion in Bildern: